"WAS SEHT IHR, SCHWESTERN?"

 

 

 

 

 

Was seht ihr, Schwestern, was seht ihr?

 

Denkt Ihr, wenn ihr mich anschaut:

 

Eine mürrische, alte Frau,

die nicht besonders schnell ist,

verunsichert in ihren Gewohnheiten,

mit abwesendem Blick,

die ständig bei Essen kleckert,

die keine Antwort gibt, wenn ihr mit ihr meckert,

weil sie wieder nicht pünktlich fertig wird.

Die nicht so aussieht, als würde sie merken, was ihr mit ihr macht.

Die willenlos alles mit sich machen lässt:

Füttern, waschen, und alles, was dazu gehört?

 

Denkt ihr denn so von mir, Schwestern, wenn ihr mich seht, sagt?

 

Öffnet die Augen und schaut mich an!

Ich will euch erzählen, wer ich bin,

die hier so still sitzt,

die macht, was ihr möchtet,

die isst und trinkt, wenn es euch passt.

 

Ich bin jetzt eine alte Frau,

die ihre Kräfte dahinsiechen sieht

und der Charme verschwindet.

Aber in diesem alten Körper

wohnt noch immer ein junges Mädchen,

ab und zu wird mein mitgenommenes Herz erfüllt.

 

Ich erinnere mich an meine Freuden,

ich erinnere mich an meine Schmerzen, und

ich liebe und lebe mein Leben noch einmal.

 

Wenn ihr eure Augen aufmacht, Schwestern,

so seht ihr nicht nur eine mürrische, alte Frau!

Kommt näher, seht MICH!

 

 

Dieser Text wurde in den Habseligkeiten einer alten, schottischen Frau gefunden.

Sie war Demenzpatientin auf einer geriatrischen Station.